Soziale Absicherung: Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung als Selbstständiger

Chris
Redakteur, mein-gruendungszuschuss.de
  (zul. aktual.)

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Beim Gründungszuschuss erhält man eine 300€-Pauschale, die die soziale Absicherung des Gründers in den ersten (bis zu 15) Monaten gewährleisten soll. Hier solltest Du Dir dann Gedanken machen, welche persönliche/privaten Versicherungen sinnvoll für Dich und Deine Familie sind und welche überflüssig. Nachfolgend listen wir Dir eine Auswahl an den wichtigsten persönlichen Versicherungen auf, die jeder Selbständige haben sollte bzw. muss:

  • Kranken- und Pflegeversicherung: In Deutschland ist eine Krankenversicherung (KV) zur Absicherung im Krankheitsfall verpflichtend. Man unterscheidet zwischen der gesetzlichen (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV). Obwohl es die land­läufige Meinung ist, dass Selbständige sich immer privat versichern, ist das nicht immer zu treffend: Vor allem am Anfang kann es sich rentieren, wenn man noch in der GKV bleibt; bei niedrigen Gewinnen sind dementsprechend auch die monatlichen Beiträge niedrig (siehe Beitragsrechner TK). Allerdings sollte man bei ersten, regelmäßigen (!) Gewinnen als Selbständiger in die PKV wechseln, da die einkommensabhängigen Beiträge der GKV schnell oftmals teurer werden als die „pauschalen“ Beiträge der PKV mit sogar besseren Leistungen – darüber hinaus sind die Einstiegsbeiträge von gewissen PKVs überraschend „günstig“.

  • Private Haftpflichtversicherung: Da Du nach dem Gesetz für alle Schäden in unbe­grenzter Höhe haftest, die Du jemandem schuldhaft zufügst, sollte jeder auch eine private Haftpflichtversicherung haben: Diese ist relativ kostengünstig dafür, dass sie vor obigen Schäden (auch durch grobe Fahrlässigkeit verursacht) schützt.

  • Rechtsschutz: Eine Rechtsschutzversicherung hilft Dir Deine Rechte im Streitfall mit Hilfe eines Anwalts durchzusetzen. Diese ist im privaten wie auch im beruflichen / betrieblichen Umfeld sehr empfehlenswert. Oftmals ist eine Kombination mit der betrieblichen Rechtsschutzversicherung möglich und auch sinnvoll.

  • Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Eine Berufsunfähigkeitsversicherung inkl. Unfallversicherung (auch für Familienangehörige) ist als Selbständiger auch sehr sinnvoll, da Du eine monatliche Rente in Fällen bekommst, in denen Du aus gesund­heitlichen Gründen nicht mehr Deiner Selbständigkeit nachgehen kannst.

  • Sonstige Versicherungen, die jeder Selbständige (bzw. Bürger) haben sollte, aber auf die wir hier nicht näher eingehen werden, schließen die Kfz-Versicherungen, Wohn­gebäude- und Hausratversicherungen mit ein.

Der Vollständigkeit halber sind die nachfolgenden Versicherungen erwähnt; diese kann man (optional, je nach Sicherheitsbedürfnis und Altersvorsorgeplanung) abschließen:

  • Freiwillige Arbeitslosenversicherung: Die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbständige muss innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der selbständigen Tätigkeit bei der Arbeitsagentur beantragt und auch abgeführt werden. Für Existenz­gründer besteht eine Sonderregelung, da sie im kompletten folgenden Kalenderjahr nur die Hälfte der monatlichen Beiträge bezahlen, sprich 39,48 Euro (West) und 37,80 Euro (Ost). Ob diese Versicherung sinnvoll ist, klären wir in einem anderen Blogbeitrag.

  • (Freiwillige) Rentenversicherung: Die Rentenversicherung ist für bestimmte (selbständige) Berufsgruppen, wie beispielsweise Handwerker, Lehrer, Künstler und Publizisten, verpflichtend. Allerdings zahlen u.a. Künstler und Publizisten nur ein­kommen­sgerechte Beiträge und wenn sie Mitglied in der Künstlersozialkasse sind, sogar nur die Hälfte dieser Beiträge (Anmerkung: Künstler, Publizisten etc. sind in der KSK renten-, kranken- und pflegeversichert).

    Für alle anderen hauptberuflichen Selbständigen ist die Rentenversicherung freiwillig: Diese können sogar die Anzahl und Höhe ihrer Beiträge selbst festlegen und jederzeit für die Zukunft verändern. Ob dies allerdings in Sachen Altersvorsorge für Selbst­ständige sinnvoll ist, schauen wir uns in einem anderen Blogbeitrag an.

  • Risikolebensversicherung: Die letzte erwähnenswerte Versicherung ist die Risiko­lebens­versicherung, die wirklich nur Sinn macht, wenn Du eine Familie hast, die Du im Falle Deines Todes finanziell absichern möchtest. Ansonsten (und vor allem in der Gründungs­phase) kann man auf diese getrost verzichten.

Bei den optionalen Versicherungen gilt es stets abzuwägen, ob diese sinnvoll sind oder ob man die Altersvorsorge in die eigenen Hände nimmt. Letzteres ist auf jeden Fall zu empfeh­len, sobald man einigermaßen erfolgreich ist und von den Gewinnen gut leben kann.