Nur mit Produktivität geht's: Eine Einführung

Chris
Redakteur, mein-gruendungszuschuss.de
  (zul. aktual.)

 Lesezeit: ca. 15 min

Auszug aus „Mein Gründungszuschuss: Der Leitfaden zum Erfolg (2022)“ von mein-gruendungszuschuss.de

„Produktivität ist niemals ein Zufall.
Es ist immer das Ergebnis einer Verpflichtung zu
hervorragender Leistung, intelligenter Planung
und konzentriertem Einsatz.“

Mit diesen Worten hebt Paul J. Meyer drei wesentliche Aspekte hervor, auf die es in Sachen Produktivität ankommt – nämlich (1) Fokus auf nur eine Sache, um hervorragende Leistun­gen abzurufen, (2) intelligente Planung und (3) konzentrierter Einsatz.

Aspekte der Produktivität
Abbildung 1: Aspekte der Produktivität

1. Fokus: Lebe für die EINE Sache

Der Schlüssel zu einer hohen Produktivität und letztlich zum Erfolg ist simpel: FOKUS. Fokussiere Dich nur auf die EINE Sache. Wenn Du Deine EINE Sache nicht kennst, ist es jetzt spätestens an der Zeit, diese herauszufinden. Zum Beispiel ist die EINE Sache für Existenzgründer, i.d.R. ihre EINE beste Geschäftsidee umzusetzen und EIN Unternehmen aufzubauen – und nur darauf solltest Du Dich fokussieren: Versuche erst gar nicht parallel noch eine Geschäftsidee umzusetzen oder parallel einen Backup-Plan zu verfolgen oder einen Vollzeit-Job nachzugehen oder nebenbei noch ein zweites zeitintensives Projekt (z.B. Hausbau) zu verfolgen. Du wirst zweigleisig (oder sogar mehrgleisig) mit absoluter Sicher­heit niemals soviel Erfolg haben, als wenn Du Dich nur auf die EINE Sache konzentriert hättest – im schlimmsten Fall wird es in die Hose gehen. Wenn Du die EINE Sache komplett erledigt hast (z.B. Dein Unternehmen aufgebaut und Struktur geschaffen hast, die nicht mehr Deine volle Aufmerksamkeit erfordern), kannst Du die nächste EINE Sache immer noch angehen und verfolgen. Hier gilt dann auch wieder: Fokussiere Dich auf die EINE Sache.

Gründer, die genau wissen, was ihre EINE Sache ist und für diese EINE Sache „leben“, sehen die Geschäftswelt mit anderen Augen: Sie haben Klarheit, woraus ein zielorientiertes Vorgehen resultiert; sie treffen (auch unterbewusst) Entscheidungen, die der EINEN Sache zugutekommen. „Im Laufe der Zeit“ stellt sich so der Erfolg dann automatisch ein. Denn Erfolg ist sequentiell und ergibt sich daraus, wenn man immer zu jedem Zeitpunkt voll auf die EINE Sache konzentriert ist. Das muss Dir unbedingt bewusst sein.

2. Planung: Priorisiere Wichtiges vor Dringendem

Erst nachdem Du sicher weißt, auf welche EINE Sache Du Dich fokussieren solltest, kannst Du diese in kleinere Aufgaben aufteilen. Wahrscheinlich wirst Du in einer langen To-do-Liste enden, die Dinge bzw. Aufgaben aufzählt, die Deiner Meinung nach getan werden müssen, um die EINE Sache zu erledigen. Allein beim Betrachten solcher To-do-Listen fragen sich die meisten Menschen, wie sie diese nur in überschaubarer Zeit „abarbeiten“ können, da ja auch stetig neue Aufgaben hinzukommen werden.

„Produktivität bedeutet nicht, ein Arbeitspferd und ständig
beschäftigt zu sein oder in irgendeinen Aktivismus zu verfallen.
Es bedeutet, Prioritäten zu setzen, zu planen
und die eingeplante Zeit aggressiv zu schützen.“

Die Antwort ist simpel und, wenn Du Dich bereits mit dem Thema Projekt- und Zeit­manage­ment beschäftigt hast, nicht weiter überraschend: Statt einer (meist langen, unsortierten) Aufgabenliste, brauchst Du schlichtweg eine kurze Erfolgsliste, die nur noch die wesent­lichen (gewinn- bzw. umsatzsteigernden) Aufgaben enthält, deren Erledi­gungen außer­gewöhnliche Ergebnisse mit sich bringen und Dich einen Schritt näher dem Erfolg bringen.

Wie erstellt man nun eine solche Erfolgsliste?

Zunächst einmal muss Dir klar sein, dass außergewöhnliche Ergebnisse von wesentlich weniger Dingen bestimmt werden, als die meisten glauben – nämlich nur von den wesent­lichsten und wichtigsten Aufgaben. Um diese Aufgaben zu erkennen und zu filtern, hilft Dir das Pareto-Prinzip (auch 80/20-Regel), die besagt, dass 80% der Ergebnisse mit 20% des Aufwands erreicht werden. Diese Regel sollte man aber nicht „wortwörtlich“ nehmen. Natürlich kann diese Regel auch je nach Umständen ein anderes Verhältnis (z.B. 90/10, 70/30) annehmen. Wichtig ist nur, das dahinterstehende Prinzip zu verstehen und wie man es schließlich auf seine To-do-Liste anwenden kann:

  1. Beginne mit einer beliebig langen Liste von Aufgaben, die Du im Hinblick auf die EINE Sache denkst, erledigen zu müssen, um erfolgreich zu sein, und die ein größeres Zeitfenster abdecken.
  2. Filtere und priorisiere dann die Aufgaben mit der Mentalität, diese auf wenige maßgebliche Aufgaben zu reduzieren. Dabei kann Dir helfen, zu überlegen, welche Aufgaben Deine gewinn- und umsatzsteigernden Aktivitäten sind oder welche Tätigkeiten unbedingt erledigt werden müssen, um Deine Existenzgründung zu starten und weiter zu wachsen.
  3. Da nicht alle anstehenden Aufgaben in Deinen Kompetenzbereich fallen und manche dringlicher sind als andere, kannst Du nun als letzten Schritt oder bereits parallel zu Schritt 2 (als wichtiges Hilfsmittel) die Eisenhower-Methode}—der Übersichtlichkeit halber weiter unten erläutert—anwenden. Das Resultat ist eine fein­granulare Prio­risierung Deiner Aufgaben, die als Grundlage zur weiteren Planung optimal geeignet ist.
Aspekte der Produktivität
Abbildung 2: Eisenhower-Matrix

Mit der Eisenhower-Methode kannst Du anstehende (vorgefilterte) Aufgaben in Kategorien anhand der beiden Kriterien Wichtigkeit (Aufgaben mit dem größten positiven und negativen Auswirkungen auf Deinen Erfolg) und Dringlichkeit (Aufgaben mit nahem Fälligkeitsdatum) einteilen. Daraus ergeben sich vier Arten von Aufgaben oder visuell betrachtet vier Quadranten (die sog. Eisenhower-Matrix), die wie folgt charakterisiert sind:

  • A-Aufgaben: Diese Aufgaben und Tätigkeiten sind sowohl wichtig (mit einem hohen Wirkungsgrad auf das Erreichen Deiner Ziele) als auch dringend, d.h. sie sind zeitlich umgehend fällig. Daher solltest Du diese Aufgaben sofort selbst erledigen. Hier sollten eigentlich keine Aufgaben angesiedelt sein, insofern die nachfolgenden B-Aufgaben richtig terminiert und erledigt werden. Dennoch lässt es sich in der Praxis kaum vermeiden, dass B-Aufgaben länger dauern als geplant und dringend werden oder neue (vorher noch unbekannte) wichtige, dringend zu erledigende Aufgaben aufkommen.

  • B-Aufgaben: Diese Aufgaben oder Tätigkeiten sind zeitlich nicht dringend aber äußerst wichtig und haben einen erheblichen, i.d.R. den höchsten Wirkungsgrad auf das Erreichen Deiner Ziele. Die meisten Aufgaben zur Umsetzung Deiner Geschäftsidee haben diesen Charakter. Daher sollten diese terminiert und auch selbst erledigt werden (siehe Abbildung 1). Wichtig dabei ist, eine relativ genaue Abschätzung, wie lange die Aufgabe dauern wird, vorzunehmen. Beachte, dass wir uns maßlos überschätzen, was wir in einem Tag oder Woche alles erledigt bekommen; und uns maßlos unterschätzen, was wir in einem Jahr (oder in mehreren Jahren) alles erreichen können.

  • C-Aufgaben: Diese Aufgaben oder Tätigkeiten sind nicht wichtig (d.h. deren Wirkungsgrad auf das Erreichen Deiner Ziele ist eher gering) aber dennoch dringend. Daher sollten diese Aufgaben zur zeitnahen Ausführung delegiert werden. Als Beispiel kann man die Steuererklärung nennen, die Du einfach zu einem Steuerberater delegieren kannst: Der Steuerberater wird diese wesentlich schneller als Du erledigen und Du kannst Deine eingesparte Zeit wieder Deinen AB-Aufgaben widmen.

  • D-Aufgaben: Diese Aufgaben oder Tätigkeiten sind weder wichtig für das Erreichen Deiner Ziele noch dringend. Daher können diese Aufgaben ggf. delegiert oder einfach gestrichen werden. In der Planung sollten diese Aufgaben jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen oder ignoriert werden.

Diese gefilterte und priorisierte Einteilung der Eisenhower-Matrix dient Dir dann als Ent­scheidungs­grundlage (z.B. selber machen vs. delegieren). Mit dieser einfachen Methode sagst Du bewusst „Ja“ zu den wichtigen Aufgaben, was auch automatisch heißt, dass Du bewusst „Nein“ zu den unwichtigen Aufgaben sagst. Denn wichtige Aufgaben sollten niemals den unwichtigen Aufgaben untergeordnet werden, obwohl diese meist nicht immer am lautesten auf sich aufmerksam machen. Leistungsorientierte Menschen wissen das und arbeiten stets mit diesem klaren Gespür für Prioritäten; sie verwechseln nicht das Dringende mit dem Wichtigen. Hochleister machen sogar die wesentlichen Aufgaben als erstes, was sich andere für später vorgenommen haben oder ständig aufschieben, was deren Erfolg nur unterminiert.

„Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben,
sondern viel, die wir nicht nutzen.“

Mit diesem Vorgehen nutzt Du Deine Zeit bestmöglich und erreichst möglichst viel mit weniger Aufwand. Dieses Vorgehen schließt auch das Überwinden Deiner Angst über uner­ledigte Dinge mit ein: Wenn Du dem beschriebenen Vorgehen folgst, wirst Du die wichtig­sten Aufgaben bereits erledigt haben und mit diesem guten Gefühl sollte es da nicht allzu schwer fallen, die unwichtigeren Aufgaben unerledigt zu lassen.

3. Einsatz: Komme in den Flow-Zustand

Kommen wir nun zum Arbeitseinsatz, den Du unvermeidlich erbringen musst, um die ausstehenden Aufgaben auch erledigt zu bekommen: Denn ohne Deinen Einsatz nützt Dir auch die beste Planung nichts. Vielmehr wirst Du nur eine hohe Produktivität erreichen, wenn Du Deine zur Verfügung stehende Arbeitszeit „richtig“ einsetzt:

Produktivität (vereinfacht) = Effektivität x Effizienz

Nachdem wir in den letzten beiden Abschnitten Methoden zur Steigerung Deiner Effektivität („wenn man die richtigen Dinge macht“) betrachtet haben, widmen wir uns jetzt dem zweiten Aspekt bzw. Parameter der Produktivität, nämlich dem Thema Effizienz („wenn man die Dinge richtig macht“). Effizienz kann dabei ein Maß für Deine Wirtschaftlichkeit (Kosten-Nutzen-Relation) oder Dein Umgang mit knappen Ressourcen (z.B. Zeit) darstellen. Daher gehen wir nachfolgend darauf ein, wie Du Deine ausstehenden Aufgaben höchsteffizient – mit optimaler Nutzung Deiner Zeit – erledigen kannst.

Reserviere zusammenhängende Zeitblöcke

Reserviere bzw. blocke Dir zunächst für jede Aufgabe (je nach Umfang) einen oder mehrere zusammenhängende Zeitblöcke über mehrere Stunden (vgl. Abbildung 1).

Schematische Darstellung der durchschnittlichen Leistungskurve am Tag
Abbildung 3: Schematische Darstellung der durchschnittlichen Leistungskurve am Tag

Wie Du der obigen Abbildung erkennen kannst, sind dafür die Morgenstunden (7-13Uhr) und die Stunden am späten Nachmittag (16-19Uhr) am Besten geeignet, da dort die typische Leistungskurve von Früh- bzw. Normalaufstehern (auch Kraepelinsche Arbeits­kurve genannt) ihre Maxima hat. Diese Zeiten – vor allem die Morgenstunden – solltest Du Dir unbedingt für Deine „Macherzeit“, in denen Du Deine AB-Aufgaben erledigst, reser­vieren, da Du hier das höchste Leistungsniveau hast. Hier solltest Du immer mit dem „größten Frosch“ (jene denkintensiven Aufgaben, die Dir unangenehm sind und Du diese deshalb vor Dir herschiebst) anfangen – gemäß dem bekannten Prinzip Eat that frog vom amerikanischen Managementforscher Brian Tracy (zum Buch). Zwischen den Macherzeiten (13-16Uhr) oder danach (ab 19Uhr) kannst Du Deine „Managerzeit“ legen, um beispielsweise Meetings abzuhalten, E-Mails zu beantworten oder andere weniger wichtige (nicht denk- oder zeitintensive) Aufgaben zu erledigen.

Natürlich sind die Zeiten nur als Richtwerte zu verstehen und müssen individuell auf die ausgeübte selbständige Tätigkeit angepasst werden. Wichtig ist nur zu verstehen, wann Du Deine Leistungsspitzen am Tag hast und diese auch ausnutzt, um effizienter zu arbeiten.

Nutze die Zeitblöcke richtig

Als nächstes schauen wir uns an, wie Du die einzelnen Zeitblöcke optimal nutzt. Dies ist vor allem für „Kopfarbeiter“, die viel am Schreibtisch arbeiten und entsprechend intensive Denk­arbeit leisten, interessant, da die Konzentration nicht dauerhaft gehalten werden kann.

Schematische Darstellung der typischen Konzentrationskurve
Abbildung 4: Schematische Darstellung der typischen Konzentrationskurve

Ab etwa 40min lässt die Konzentration erheblich nach; ab etwa 60min ist das Konzen­trations­niveau am Minimum angekommen; d.h. Kopfarbeiter brauchen allerspätestens nach 60min eine Pause. Daher hat sich als typische (und maximale) Dauer eines einzelnen Zeit­blocks eine Stunde (1h) bewährt. Hier kannst Du die Pomodoro-Technik anwenden, um den 1h-Zeitblock optimal zu nutzen:

  • Arbeite 50min konzentriert an einer Aufgabe und mache anschließend 10min Pause;
  • Wiederhole das vier- bis fünfmal (4-5x) und mache dann eine längere Pause (30-45min, z.B. Mittagspause);
  • Danach kannst Du das Ganze in einem zweiten Arbeitsblock wiederholen.

Wichtig dabei ist, dass Du die 50min auch höchst konzentriert durcharbeitest und Dich in den Pausen bewegst (z.B. eine Runde um den Block gehen und frische Luft schnappen) und „abschaltest“ (z.B. ein Plausch in der Teeküche, aber keine E-Mails checken und nicht am Handy „daddeln“).

Mit dieser Technik kannst Du Deine Konzentration wie ein Muskel trainieren. Du wirst schon nach ein paar Tagen merken, dass Du viel konzentrierter arbeitest und Du immer öfter in den sogenannten Flow-Zustand kommst: In diesem Zustand bist du völlig fokussiert auf Deine Tätigkeit und bringst Deine beste Leistung (oftmals ohne zu ermüden); die Tätigkeit erledigst Du dann mit Leichtigkeit und oftmals hast Du danach mehr Energie als zuvor. Übe Dich also darin, so oft wie möglich in den Flow-Zustand zu kommen, denn da bist Du am produktivsten und Du wirst sehen, wie schnell und gewissenhaft Du auch Deine unliebsamen Aufgaben erledigt bekommst.

Du hast in den letzten beiden Abschnitten eine Vorgehensweise kennengelernt, wie Du produktiv sein kannst. In den nächsten zwei Abschnitten gehen wir nun auf die größten „Produktivitätskiller“ ein, die Du vermeiden solltest.

Vermeide Ablenkungen und Unterbrechungen

Der erste Produktivitätskiller ist die unkontrollierte Unterbrechung Deiner Arbeit, z.B. genau während einer Deiner 50min-Zeitblöcke. Unkontrollierte Unterbrechungen treten meist wegen Ablenkungen durch Technologien (z.B. E-Mails, Social Media, Handy-Be­nach­rich­tigungen), Lärm in Großraumbüros oder aber auch durch Kollegen oder Familien­mit­glieder auf. Solche Unterbrechungen, die Dich aus der Konzentrationsphase oder sogar aus Deinem Flow-Zustand reißen, sind „tödlich“ für Deine Produktivität.

Bei Ablenkungen und Multitasking (A) wird mehr Zeit für eine Aufgabe benötigt, als bei einem fokussierten und unterbrechungsfreien Arbeitsablauf (B).
Abbildung 5: Bei Ablenkungen und Multitasking (A) wird mehr Zeit für eine Aufgabe benötigt, als bei einem fokussierten und unterbrechungsfreien Arbeitsablauf (B).

Bei einer Ablenkung verlierst Du nicht nur die Zeitdauer der Unterbrechung, sondern auch die Zeit, die Dein Gehirn zur Rückorientierung und Wiederaufnahme der unterbrochenen Aufgabe braucht (vgl. A). Diese Rückorientierung und Wiederaufnahme der Aufgabe dauert im Schnitt 8min, bis man wieder „reinkommt“ bzw. in die Konzentrationsphase. So ist es nicht verwunderlich, dass ein unterbrochener Arbeitsablauf durch eine viel höhere Zeit­ver­schwendung geprägt ist als ein fokussierter, unterbrechungsfreier Arbeitsablauf (vgl. B).

Analog verhält es sich beim Multitasking: Bei jedem Hin- und Herwechseln zwischen zwei Aufgaben verlierst Du Zeit, die Dein Gehirn zur Rückorientierung und Wiederaufnahme der unterbrochenen Tätigkeit braucht. Dabei beträgt der Mehraufwand für einfache Aufgaben bis zu 25 Prozent, bei sehr komplizierten Aufgaben sogar mehr als 100 Prozent. Die meisten sind sich dieser mit dem Multitasking verbundenen Kosten nicht einmal bewusst. Schät­zungs­weise werden so durchschnittlich 28 Prozent eines Arbeitstages verschwendet.

Also tue Dir selbst einen Gefallen und beachte die folgenden Punkte:

  • Nutze die Pomodoro-Technik (50min konzentriert arbeiten und 10min Pause in einem 1h-Slot) konsequent.

  • Schaffe Dir ungestörte Zeitfenster, in denen Du konzentriert und unterbrechungsfrei arbeiten kannst. Spreche dazu mit Deinen Kollegen und Familienmitgliedern.

  • Schalte auch alle elektronischen Geräte auf stumm, sodass Du keine störenden Benachrichtigungen mehr bekommst und abgelenkt wirst.

  • Mache Dir vor jeder Pause noch Notizen (insbesondere über Deine Gedanken), um dann nach der Pause schneller wieder in die Aufgabe „reinzukommen“.

  • Multitasking ist eine Illusion: Erledige immer nur eine Aufgabe nach der anderen; erst wenn Du die Aufgabe (auch über mehrere 1h-Zeitblöcke) komplett erledigt hast, beginne mit einer neuen.

  • Checke und beantworte Deine E-Mails (wenn möglich) höchstens zweimal am Tag in dafür reservierten Zeitblöcken (mittags und abends sind dafür am Besten geeignet).

Zum Abschluss noch einige Studienergebnisse, die Dir noch einmal die negativen Konse­quenzen von Arbeitsunterbrechungen vor Augen führen: Während bei einfachen oder monotonen Tätigkeiten Unterbrechungen sogar förderlich und motivierend sein können, sind sie besonders belastend bei komplexeren Tätigkeiten, die höchste Konzentration erfordern. Dabei kann sich auch bei schon sehr kurzen Arbeitsunterbrechungen von 2,8 Sekunden die Fehlerquote verdoppeln.

Die Studien zu Multitasking kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Es hat nachweislich negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns, d.h. die Fehlerquote steigt und die Wahrnehmung, wieviel Zeit eine Aufgabe in Anspruch nimmt (meist länger als es tatsächlich der Fall ist), wird verzerrt. Neben diesen Leistungseinbußen hat Multitasking auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit: Mit der Anzahl der Unterbrechungen steigt die Belastung und der Stress; das Stressempfinden kann sich dabei sogar auf die Freizeit erstrecken.

Übertreibe es nicht mit dem Arbeitseinsatz

Der zweite Produktivitätskiller, den wir hier nennen wollen, ist ein übertriebener Arbeits­einsatz. Kennst Du das auch, wenn Du hoch motiviert Deiner Selbständigkeit nachgehen und jede freie Minute dafür opfern willst? Du Tag und Nacht über nichts anderes nachdenken kannst, als über neue Ideen, die Du noch umsetzen willst?

Die gute Nachricht ist, Du hast mit Sicherheit die richtige selbständige Tätigkeit gefunden, die Deiner Leidenschaft folgt. Die schlechte Nachricht jedoch ist, dass Du Dich in Sachen Produktivität verzetteln könntest. Denn „je höher der Arbeitseinsatz, desto höher die Produktivität“ ist ein Mythos oder eine falsche subjektive Wahrnehmung, die nur bis zu einem gewissen Punkt stimmt: Dieser Punkt ist auch als Yerkes-Dodson-Scheitelpunkt bekannt. Bis zu diesem Scheitelpunkt nimmt das mögliche Produktivitätsniveau mit dem Arbeitseinsatz zu; danach fällt das mögliche Produktivitätsniveau mit jeder „Überstunde“ und das „Produktivitäts-Gefälle“ nimmt drastisch zu.

Yerkes-Dodson-Kurve: Produktivität in Abhängigkeit der Arbeitszeit
Abbildung 6: Yerkes-Dodson-Kurve: Produktivität in Abhängigkeit der Arbeitszeit

Das ist dann auch der Bereich (Abbildung X, rechts vom Scheitelpunkt), in dem Du ausbrennst, erschöpft bist, mehr Fehler machst und wesentlich mehr Zeit benötigst, um Aufgaben erledigt zu bekommen. Arbeitest Du dauerhaft über diesem Scheitelpunkt, nimmt die Burnout-Gefahr rapide zu. Diese Gefahr solltest Du nicht unterschätzen. Ein Burnout kann schleichend passieren und wenn Du einen hast, ist das, wie als ob der Sensenmann kommt: Nichts geht mehr! Deine Produktivität (und auch Deine Lebensfreude) sind auf dem absoluten Tiefpunkt. Da wieder rauszukommen, braucht einige Monate, in denen Du Deiner selbständigen Tätigkeit nicht nachgehen kannst. Dir muss bewusst sein: Du verlierst in diesem Fall so viel mehr Zeit als Du irrtümlicherweise glaubst, durch Deine übertriebene Arbeitszeit gewinnen zu können – denn wie wir ja gesehen haben, ist „mehr arbeiten“ nicht mit „produktiv arbeiten“ gleichzusetzen.

Vielmehr geht es bei Produktivität in erster Linie um Qualität und nicht um Quantität und die bekommst Du nur, wenn Du fit bist und einen klaren Kopf hast. Jetzt fragst Du Dich natürlich, bei welcher (wöchentlichen) Arbeitszeit liegt denn dieser Scheitelpunkt? Dieser Punkt liegt bei jedem etwas anders (aber nur plus-minus weniger Stunden). In erster Linie sollte man auf seinen Körper und Geist „hören“ (d.h. auf seine Verfassung achten!) und dann entsprechend Auszeiten und Erholung einplanen. Als Richtwert haben Studien diesen Scheitelpunkt bei einer 50-Stunden-Woche für die meisten Menschen ausgemacht; nach maximal 55 Stunden (pro Woche) stürzt das mögliche Produktivitätsniveau radikal ab; alles darüber produzieren wir nichts als nur „heiße Luft“ und machen „versteckte Pausen“.

Daher achte auf Deine wöchentliche Arbeitszeit (≤ 50 Stunden/Woche) und plane genug Auszeiten für Erholung ein: Du wirst danach wesentlich produktiver und kreativer sein, Aufgaben schneller und entspannter erledigen und dabei noch mehr Freude haben. Vor allem kannst Du Dich in den Auszeiten um Deine sozialen Beziehungen kümmern, wodurch Deine Lebensfreude steigt: eine klassische Win-Win-Situation!

Sollte es temporär doch mal erforderlich sein, länger zu arbeiten (z.B. in der Gründungs- und Aufbauphase), dann übertreibe Deine Überstunden nicht. Vor allem solltest Du Dir nach einer stressigen Arbeitsphase wieder genug Erholung gönnen und Deine erledigten Aufgaben und erreichten Erfolge auch genießen.

Referenzen

New-York-Times-Bestseller „The One Thing: Die überraschend einfache Wahrheit über außergewöhnlichen Erfolg“ von Gary Keller

Die 7 Wege zur Effektivität: Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg (Dein Erfolg) von Stephen R. Covey

# Konzentration: Wie wir lernen, wieder ganz bei der Sache zu sein (Dein Leben) von Marco von Münchhausen